Südafrika 2008

Südafrika 2008

Vom berühmten Afrikafieber befallen...
...führt es uns auch in diesmal wieder nach Südafrika. In Johannesburg gelandet, geht es direkt Richtung Süden. Unterwegs eine schier endlose Landschaft aus Getreideanbau und Viehzucht. Ebenen. Weite. Trockenheit. Am Horizont tauchen hin und wieder kleine Tafelberge auf, die immer größer werden. Unterwegs führt die Straße am Sterkfontein Dam, einem riesigen Stausee vorbei. Plötzlich Wolken, die sich immer mehr, wie ein Tischtuch, über die Berge ziehen. Wir fahren in Richtung Cathedral Peak, durch einheimische Dörfer, vorbei an hunderten von Kindern in ihren Schuluniformen, die gerade auf dem Heimweg sind. Nicht jedes Kind hat hier eine Schultasche, oder Schuhe... man merkt sofort, dass es eine recht arme Gegend ist. Es geht weiter in die Berge hinein und wir erreichen schließlich unser Ziel: die über 3.000 m hohen, fast majestätisch wirkenden Drakensberge am Cathedral Peak.

Didima Camp am Cathedral Peak

Das Didima Camp ist wunderschön gelegen, mit phantastischen Blicken auf die umliegenden Berge. Auch die Ausstattung ist für ein staatliches Camp wirklich nicht übel. Nach dem Flug und der langen Autofahrt müssen wir uns erstmal bewegen und unternehmen eine kleine Wanderung zur Rainbow Gorge. Mit einem schönen Blick in die Schlucht und über die sanft grünen Berge werden wir belohnt. Anschließend stoßen wir an der Bar erstmal auf unseren Urlaub an: 3 Bier und 1 Cola für 40 Rand - da kann man nicht meckern! Am nächsten Tag hängen die Wolken regenschwer in den Bergen. Trotzdem laufen wir los, am Fuß des Cathedral Peak entlang zu den Blue Pools und der Xeni Höhle. Wir werden pitschnass, dennoch ist es schön draußen zu sein, in einer phantastischen Natur und durch den Nebel fast mystischen Stimmung. Die einzigen, die hier Krach machen, sind die Paviane, die sich an der Bergwand gegenüber über uns zu beschweren scheinen. Wir reden nicht viel und genießen die völlige Ruhe und Abgeschiedenheit. Am nächsten Morgen trauen wir dann unseren Augen nicht: alle Wolken sind verschwunden und wir haben freien Blick auf den Cathedral Peak. Ein atemberaubender Blick und ein Bergpanorama sondergleichen, direkt vom Chalet aus.

Giant's Castle in den zentralen Drakensbergen

Heute geht es weiter. Vorbei an Zulu-Dörfern, in denen die Kinder teilweise nur mit aus Müll selbst gebastelten Bällen Fußball spielen, nach Giant‘s Castle. Die Frauen waschen ihre Wäsche am Fluss - es ist Samstag. Auch der Transport von Mitfahrern auf der Ladefläche eines Pickup ist hier völlig normal. Giant‘s Castle liegt noch abgeschiedener als Didima. Das einzige Camp weit und breit. Sawubona - am Tor werden wir von einem Zulu begrüßt, der uns gleich sein gesamtes Repertoir an deutschen Worten vorträgt, die er bei seinem Job hier gelernt hat. Hut ab, das macht er gut! Vom Tor sind es immer noch ca. 8 km. Auch hier erwartet uns ein Camp, das völlig in Ordnung ist und wieder einen sagenhaften Ausblick bietet. Die Landschaft ist sogar noch bizarrer. Hohe Bergmassive, sanfte Hügel mit einem blassen Grün überzogen und Bergbäche, die sich durch die Landschaft schlängeln. Traumhaft schön! Wir machen uns gleich auf den Weg zu den Felsmalereien, etwa 45 Minuten Fußweg vom Camp aus. Hier erfahren wir etwas über die San und was es mit den Malereien auf sich hat. Am Flussufer laufen wir zurück zum Camp. Am nächsten Tag gehen wir auf einer weiteren Wanderung auf die Suche nach Elenantilopen, den größten Antilopen der Welt, die hier leben. Es dauert nicht lange, bis wir die ersten erspähen. Wir rasten am Fluss an schönen Naturpools, ganz allein, keine anderen Touristen weit und breit. Zurück im Camp machen wir uns zu den Champagne Pools auf - wir brauchen unbedingt eine Abkühlung nach der langen Wanderung. Auch hier, einige Kilometer flussabwärts, scheint das Wasser nicht wärmer zu sein, aber wir wagen uns trotzdem in die kalten Fluten.

Isibindi Zulu Lodge bei Rorke's Drift im Zululand

Weiter geht die Reise in die geschichtsträchtigen Battlefields im Zululand. Die Gegend wird karg und steinig. Braun dominiert die Landschaft. Das Thermometer misst 38°C. Unser Ziel ist die Isibindi Zulu Lodge in der Nähe von Rorke‘s Drift. Hier hielten vor etwa 130 Jahren 139 Briten einem Angriff von ca. 4.000 Zulus stand und gingen in die Geschichte ein. Die Lodge liegt idyllisch auf einem Hügel in einem kleinen Reservat, irgendwo im Nirgendwo so scheint es. Herrliche Ausblicke bieten sich vom Pool und vom eigenen „Bienenstock“ aus. Die Chalets sind wie traditionelle Zulu-Hütten - eben wie Bienenstöcke - gebaut, sind jedoch mit allem Komfort ausgestattet. Bei der herzlichen Gastfreundschaft, die uns entgegen gebracht wird, fühlen wir uns sofort wohl und können von der ersten Minute an entspannen. Am Abend führt uns eine einheimische Jugendgruppe traditionelle Zulutänze im Kral nicht weit von der Lodge vor. Anfangs war uns etwas unwohl, da wir dachten, dies sei „so eine Touri-Sache“, aber die Jungs und Mädels hatten sichtlich Spaß dabei. Sie machen das öfters, auch auf Hochzeiten oder anderen Feiern. Auch erfahren wir viel über die Kultur der Zulus, müssen selbstgebrautes Zulu-Bier probieren (pfui Teufel) und bekommen ein traditionelles Abendessen am Feuer serviert. Es herrscht eine tolle und ungezwungene Atmosphäre. Auf einer Wildbeobachtungsfahrt sehen wir Giraffen, Gnus, Zebras, Büffel und verschiedene Antilopen. Das Reservat von Isibindi ist nicht sehr groß und es gibt nicht die Big 5. Es ist dennoch sehr schön auf unserer ersten Pirsch durch die hügelige Landschaft.

Die Gegend um Hluhluwe und das Hluhluwe/Imfolozi Wildreservat

Von Isibindi fahren wir vorbei an weiteren Wildreservaten, wie Ithala, Mkuze Falls und Thanda zum Ubizane Wildreservat. Wir besuchen kurz das Falaza Wildreservat im Ort Hluhluwe und schauen uns die Unterkunft an. Das Besondere hier: die Nashörner grasen auf der Wiese direkt am Pool und scheinen sich durch nichts dabei stören zu lassen. Zu dicht sollte man sich trotzdem nicht heran wagen, denn zahm sind sie keinesfalls.

Bei über 30°C kommen wir in der Zululand Safari Lodge an. Wir sind begeistert, da Affen, Antilopen und Warzenschweine direkt zwischen den Rondavels herumlaufen. Unsere Unterkunft ist sehr einfach, aber sauber, was für uns die Hauptsache ist. Die benachbarte Tree Lodge ist gehobener ganz anders gestaltet. Man wohnt in einer Art Baumhaus, Blockhäuser auf hohen Stelzen, direkt in den kleinen Wald aus Fevertrees gebaut, während man von der Safari Lodge den Blick über die offene Landschaft genießen kann. Das Abendessen gibt es in der Boma der Tree Lodge. Schöne Atmosphäre und am Teich fühlen sich die  Bull Frogs - Ochsenfrösche - in der Pflicht, die abendliche Unterhaltung zu übernehmen. Auf dem Weg zu unserem Rondavel sagen wir noch den Impalas gute Nacht, die schlafen nämlich auf dem Spielplatz nebenan.

Die Nacht ist für uns sehr früh vorbei, denn wir haben uns für eine Wildbeobachtungsfahrt in den Hluhluwe/Imfolozi Nationalpark entschieden. Dies ist der älteste Nationalpark Südafrikas und er wurde ursprünglich zum Schutz der gefährdeten Nashörner errichtet. Heute gibt es neben der mittlerweile höchsten Nashornpopulation im südlichen Afrika auch viele andere Tiere im Park, unter anderem auch die Big 5. Wir haben den Safariwagen ganz für uns allein, was für ein Luxus. Wir stellen fest, dass so eine Pirsch im Nationalpark doch etwas ganz anderes ist als in einem privaten Wildreservat. Aus den Unterkünften der Umgebung sind mehrere Fahrzeuge mit Gästen am Tor, auch viele "Selbstfahrer" und man darf die Wege nicht verlassen. Sieht man Tiere, stehen schnell mehrere Fahrzeuge drum herum. Dennoch ist die Ausbeute recht gut: wir sehen viele Giraffen, eine Hyäne, Büffel, Gnus, Zebras, einen Elefantenhintern im Gebüsch (er wollte sich partut nicht umdrehen), Geier an einem Tierkadaver im Flussbett, Antilopen, Nashörner und Warzenscheine. In der Ferne hören wir Löwen brüllen, gesehen haben wir sie leider nicht.

Nach einem ausgiebigen Frühstück zurück in der Lodge fahren wir ins Küstenörtchen St. Lucia. Auf dem Weg fängt es an zu regnen, aber an der Küste ist es wieder trocken, nur sehr windig und wolkenverhangen. Wir fahren direkt zum Strand, der sehr breit, kilometerlang und menschenleer ist. Letzteres könnte unter Umständen mit dem Wetter zu tun haben. Wir machen einen kleinen Spaziergang und genießen die klare, frische Meerluft. Anschließend schlendern wir durch die Geschäfte im Ort, machen einen Stopp an der Flussmündung, wo wir Hippos und Krokodile sehen können, und lassen St. Lucia dann schnell wieder hinter uns. Für einen kleinen Abstecher ist es ganz nett, mehr aber auch nicht - es ist uns einfach zu touristisch hier. Wir fahren zurück nach Ubizane und verbringen dort eine weitere Nacht.

iSimangaliso Wetland Park

Wir fahren weiter in den iSimangaliso Wetland Park, ein UNESCO Weltnaturerbe, das sich zwischen St. Lucia und der Grenze zu Mosambik über etwa 220 km Länge erstreckt. Fünf Ökosysteme treffen hier aufeinander und bilden eine einzigartige Landschaft direkt an der Küste des Indischen Ozeans. Am Treffpunkt Coastal Cashew Factory für den Allradtransfer zu unserer Lodge sind wir 1 Stunde zu früh und beschließen uns die Fabrik anzuschauen. Die Chefin schaut uns skeptisch an und zeigt anfangs wenig Lust, findet dann aber doch immer mehr Spaß daran, uns alles zu zeigen. Sie erklärt uns ausführlich wie hier Cashew Nüsse verarbeitet werden. Es wird sehr viel Wert auf Qualität gelegt, erzählt sie stolz, und die Nüsse schmecken auch wirklich hervorragend. Deutlich frischer als wir sie aus den Tüten in Deutschland kennen. Dann werden wir abgeholt und im Jeep zur Thonga Beach Lodge gefahren. Eine wunderschöne Lodge direkt auf den Dünen mit Blick auf den Ozean. Nach einer Besichtigung und einem hervorragenden Essen in Thonga geht es weiter zum Rocktail Beach Camp, unserem nächsten Domizil.

Rocktail ist definitiv einer der Höhepunkte unserer Reise. Wir genießen die sehr angenehme und relaxte Atmosphäre. Die geräumigen Chalets mit Canvas-Wänden sind sehr natürlich und dezent gestaltet, genau unser Geschmack. Wir haben Chalet Nummer 7, von dem man sogar das Meer sehen kann, auch von der Dusche aus, bei der man die Wände hochrollen und das Open Air Feeling genießen kann. Das Bett ist mit seinen dicken Kissen und der kuscheligen Decke das Beste der ganzen Reise – da freut man sich auf den Abend. Aber wir müssen erstmal an den Strand! Ich habe schon viele Strände gesehen, aber der hier ist definitiv einer der schönsten! Kilometerlang und breit, feiner Sand, Dünen, und vor allem menschenleer! Wir stürzen uns sofort in die hohe Brandung. Die Strömung ist heute so stark, dass man sich kaum auf den Füßen halten kann, aber wir finden es toll. Bevor wir zur Lodge zurück laufen (ca. 700 m), machen wir noch einen langen Strandspaziergang und jagen die Krabben ins Wasser. Wir erholen uns noch etwas am Pool, machen uns frisch für das Abendessen und treffen uns an der Bar wieder, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.

Für mich ist die Nacht um 7 rum, denn ich möchte die Gelegenheit zum Tauchen nutzen. Obwohl es früh ist, bin ich sehr entspannt und ausgeschlafen, zum ersten Mal seit langem. Ich hab geschlafen wie ein Stein! Wir fahren raus zum Strand, Boot und Equipment warten schon. Allein die Fahrt mit dem Boot aufs Meer raus ist schon ein Erlebnis. Wir müssen uns ganz schön festhalten bei dem Wellengang. Wir sind nur zu zweit bei unserem Tauchgang - was für ein Luxus. Die Unterwasserwelt in der Rocktail Bay ist phantastisch. 14 Riffe zur exklusiven Nutzung! Keine anderen Taucher! Ich hätte nie gedacht, dass die Sicht so gut ist und der Artenreichtum so vielfältig. Wir sehen Snapper, Grouper, Surgeon, Banner- und Anglefisch, Makrelen, Muränen, Cleaner Shrimp, Nudibranch, verschiedene Shells, Parrotfish, Butterflyfish, Triggerfish und Moorish Idols, meine persönlichen Favoriten, u.v.m. Das Highlight sind aber die Hawksbill und Green Turtle, die scheinbar schwerelos dahin gleiten. Anschließend gehen wir alle gemeinsam zum Schnorcheln, wo man auch schon einige Fischarten sehen kann.

Kosi Forest Lodge

Wir fahren weiter bis Kwa Ngwanase, nur eine gute halbe Stunde Fahrt. An der Total Tankstelle müssen wir auf unseren Transfer warten - wir sind wieder etwas früh. Wir beobachten das bunte Treiben hier und die vielen Leute, die vorbei laufen. Offensichtlich ist die Tankstelle Dreh- und Angelpunkt des Ortes. Unser Auto können wir sicher parken und wir werden zur Kosi Forest Lodge gefahren. Am Nachmittag machen wir trotz schlechten Wetters mit Jerome, unserem einheimischen Guide, eine Wanderung durch den Raffia-Palmenwald. Wir erfahren sehr viel über die Flora und Fauna sowie über die Lebensweise der Einheimischen. Auch wie man sich Zahnbürsten selbst schnitzt, wissen wir jetzt. Zurück in der Lodge gibt es einen heißen Tee und Sherry, genau das richtige bei den niedrigen Temperaturen, die wir heute erwischt haben. Das Abendessen ist sehr gut und liebevoll zubereitet. Die Petroleumlampen, die überall aufgestellt sind, vermitteln eine gewisse Romantik und Gemütlichkeit. Auch unser Zelt mit offenem Badezimmer und Open-Air-Dusche und -Badewanne hat seinen ganz besonderen Charme.

Am nächsten Tag machen wir mit Jerome einen Ausflug zur Kosi Mündung. Oben vom Berg haben wir einen wunderschönen Blick über das Seensystem mit den Fischreusen der Einheimischen, das schließlich in den Indischen Ozean mündet. Es ist eine traumhaft schöne Landschaft! Jerome erklärt uns das Seensystem und wie hier Fischfang betrieben wird, bevor wir zur Mündung runterfahren, wo wir schließlich Schnorcheln gehen wollen. Wir sind hier nur noch wenige Kilometer von der Grenze zu Mosambik entfernt. Jerome erzählt uns, dass er noch nie dort war, nicht mal einen Pass besitzt. Das Wetter ist wieder nicht sehr einladend und die Flussmündung macht auch nicht den Eindruck, als würde man unter Wasser etwas sehen. Jerome zuliebe gehen wir aber in das kühle Nass, immerhin hat er die ganze Schnorchelausrüstung hergeschleppt. Und wir werden positiv überrascht und mit Moorish Idols, Triggerfish, Butterflyfish, Lionfish und vielen mehr belohnt. Am Strand hat Jerome bereits ein herzhaftes Picknick aufgebaut - herrlich! Anschließend machen wir noch einen Spaziergang am Strand entlang in Richtung Mosambik. Hier gibt es große Sanddünen, die sich sicherlich hervorragend zum Sandboarden eignen. Doch es ist kaum jemand in dieser abgelegenen, einzigartigen Gegend. Die Einsamkeit, tolle Landschaft und der tosende Ozean vermitteln ein Gefühl der Freiheit, das man stundenlang genießen könnte.

Am nächsten Morgen haben wir endlich wieder Traumwetter! Gut, dass wir uns die Kanufahrt bis zum letzten Tag aufgespart haben, so können wir sie wirklich bei schönstem Wetter genießen. Lautlos gleiten wir durch den natürlichen Kanal, der zwei Seen miteinander verbindet. Rechts und links säumen riesige Palmen das Ufer. Affen schauen uns neugierig zu, wie wir an ihnen vorbei paddeln. Hippos halten sich in diesem Teil nicht auf, doch Krokodile sind hier gern unterwegs, insbesondere die Jungtiere. Wir sehen ein paar kleinere Exemplare sowie einige Leguane, die sich auf den Baumstämmen, die über das Wasser ragen, sonnen. Wir sehen viele verschiedene Vogelarten, wie „Palmen-Geier“ oder King Fisher, überqueren einen See mit zahllosen Wasserlilien, schauen zwei Fischern zu, wie sie sich auf ihrem Floß vorwärts staken und lassen uns von der Idylle und Stille gefangen nehmen. Kaum jemand spricht, außer unser Guide, der hin und wieder etwas erklärt.

Tembe Elephant Park

Am Mittag setzen wir unsere Reise in den Tembe Elephant Park fort, der nicht weit entfernt liegt. In der Lodge - die einzige im Park und unter staatlicher Leitung - werden wir sehr herzlich mit Tanz und Gesang empfangen. Die Zeltchalets sind sehr geräumig, einfach, aber zweckmäßig eingerichtet und die Stockflecken an den Zeltdecken stören uns nicht weiter, denn ansonsten ist es sehr sauber. Unsere beiden Ranger brennen bereits darauf mit uns auf die erste Wildbeobachtungsfahrt zu gehen. Wir sehen recht viele Elefanten, die meisten mit sehr großen Stoßzähnen. Hier im Tembe ist auch die kleine und sehr seltene Suni-Antilope heimisch und offensichtlich Tausende von Nyalas. Eine große Büffelherde im Schilfgras, ein Elefant in der Abenddämmerung auf der weitläufigen Schwemm-Ebene, die momentan trocken und mit saftigem Gras bedeckt ist, sowie verschiedene Antilopenarten, Elefant, Gnus, Antilopen und Störche in einem bunten Durcheinander am Wasserloch bescheren jeweils ganz besondere Augenblicke.

Foresters Arms in Swaziland

Nach einer letzten Wildbeobachtungsfahrt fahren wir weiter in Richtung Swaziland. Am Grenzübergang müssen wir schmunzeln, geht es doch recht amüsant zu hier. Ohne den alles entscheidenden „Stamp“ geht hier gar nichts. Nachdem wir erfolgreich aus Südafrika aus- und nach Swaziland eingereist sind, geht es weiter, direkt in eine Verkehrskontrolle. Da wir die Handzeichen des Officers nicht so recht deuten können und nicht wissen, was er eigentlich von uns will, beschließt er bei uns nur eine "Funktionskontrolle" durchzuführen, statt das ganze Fahrzeug zu durchsuchen. Wahrscheinlich waren wir ihm zu kompliziert. Wir sind sehr überrascht von der guten Infrastruktur in Swaziland und die grüne, fruchtbare Landschaft gefällt uns recht gut. Insgesamt machen alle einen recht geschäftigen Eindruck. Unser Landhotel Foresters Arms liegt ca. 30 km außerhalb von Mbabane, der Hauptstadt Swazilands. Sehr ruhig und sehr idyllisch mit schönem Garten und Pool. Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages bei einem Gläschen Weißwein am Pool. Das Abendessen ist hervorragend und sehr stilvoll zubereitet, wie auch die Dekoration des Essensraumes. Das gesamte Hotel vermittelt eine sehr gemütliche Atmosphäre und Liebe zum Detail. Im englischen Stil ist auch die Bar gestaltet, in der wir den Abend ausklingen lassen.


Jane Goodall's "Chimpanzee Eden"

Wir frühstücken sehr früh und im Eilflug geht es weiter, da wir zu einer Führung in Jane Goodall‘s „Chimpanzee Eden“ bei Nelspruit angemeldet sind. Diese ist sehr interessant und wir erfahren über die schrecklichen Schicksale der Tiere, die hier Schritt für Schritt wieder beigebracht bekommen, was es heißt ein Affe zu sein. Das langfristige Ziel ist es, die Tiere nach und nach wieder an die Wildnis zu gewöhnen und irgendwann vielleicht sogar wieder auswildern zu können.

Hongonyi Lodge bei Hoedspruit

Über Hazyview fahren wir weiter zur Hongonyi Lodge, in einem kleinen privaten Wildreservat in der Nähe von Hoedspruit gelegen. Wir sind angenehm überrascht von unserer Unterkunft. Hatten wir hier aufgrund des günstigen Preises nicht allzu viel erwartet. Doch die Zimmer sind sehr schön und Pool und Aussichtsdeck geben einen wunderbaren Blick über eine Ebene, auf der gerade Nashörner grasen. Hier sitzen wir eine ganze Weile, schauen den Tieren zu und genießen die friedvolle Atmosphäre. Hinter uns jagt ein Bushbaby durchs Gebälk, posiert für ein paar Fotos und ist auch schon wieder verschwunden. Melanie, die französische Praktikantin in Hongonyi, hat uns schon am Vortag begrüßt und betreut. Am Morgen ist sie recht aufgeregt, denn mit uns geht sie zum ersten Mal als Ranger auf Wildbeobachtungsfahrt! Wir wissen, dass das Reservat recht klein ist, möchten aber trotzdem eine Pirschfahrt nicht missen. Unterwegs sehen wir mehrere Giraffen, darunter einige sehr junge, die uns neugierig beobachten. Wir wissen, dass es hier Geparde gibt und möchten sie unbedingt sehen. Mit Hilfe einer Antenne, kann Melanie die edlen und anmutigen Tiere aufspüren. Wir sind sofort in ihren Bann gezogen und würden am liebsten vom Wagen hüpfen, um mit ihnen herum zu tollen. Man verdrängt doch manchmal, dass es wilde Tiere sind.

Endangered Species Center und Camp Jabulani

Anschließend besuchen wir das Endangered Species Center in Hoedspruit. Recht kommerziell, dennoch erfahren wir viel über seltene Tierarten wie Geparde, Ground Hornbill, Löwen und Wildhunde, besuchen das Geier-Restaurant und sehen Rappenantilopen, Tsessebe und Säbelantilope. Sogar einen Tiger sehen wir! Er wurde gemeinsam mit 2 kastrierten Löwen aus einem Zirkus gerettet. Grausam, was die Menschen den Tieren manchmal antun.

Claire fährt uns anschließend zum Camp Jabulani. In ihrem Toyota geht es quer durch das Kapama Wildreservat, zunächst zu einem Wasserloch. Wir warten. Ruhe. Am Horizont das Bergmassiv der nördlichen Drakensberge. Ein schönes Bild. Jetzt fehlen nur noch ein paar.... Elefanten! Und da sind sie. Fast lautlos tauchen sie aus dem Busch auf, etwa 20 bis 25 Stück, und laufen direkt auf uns zu. Ein phantastischer Moment. Neugierig werden wir beäugt, das Wasserloch bekommt aber schließlich doch die größere Aufmerksamkeit. Wir erfahren sehr viel über die Elefanten und schauen uns die äußerst exklusive Lodge an. Sehr idyllisch und aufwendig angelegt, besticht sie durch ihre Eleganz im kolonialen Stil und puren Luxus. Hier bleiben definitiv keine Wünsche mehr offen. Den Tagesablauf bestimmt man selbst, wobei die Interaktionen mit den Elefanten definitiv das Highlight des Camps darstellen. Wir sind begeistert!

Manyeleti Wildschutzgebiet

Unser Tagesziel heißt Honeyguide Khoka Moya im Manyeleti Wildschutzgebiet, welches direkt an den Krüger Nationalpark angrenzt und dorthin offen ist. Gegen 15 Uhr kommen wir an und bekommen sogar noch ein hervorragendes Mittagessen, bevor wir im Anschluss gleich auf die Pirsch gehen. Fanuel, unser Ranger, sieht einen Vogel in der Ferne und weiß sofort was los ist. Irgendwann hält er den Jeep an, springt mit seinem Spurensucher Mpo vom Wagen, sagt uns nur noch mit einem breiten Grinsen: „Falls wir nicht wieder kommen sollten, der Schlüssel steckt“ ...und verschwindet im Busch. Da sitzen wir. Und warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt Mpo allein zurück und fordert uns auf ihm zu folgen. Sie hätten 2 Löwen entdeckt. Noch halten wir es für einen Scherz, werden aber eines besseren belehrt und finden uns schließlich zu Fuß mitten im Busch auf etwa 50 m „Auge in Auge“ mit einem Löwen wieder, der auf „seinen“ Büffel aufpasst, der auf halber Entfernung zwischen uns liegt. Ein paar Meter neben ihm entdecken wir einen zweiten Löwen. Den Büffel hatten sie wohl vor etwa 2 Tagen gerissen und so sind sie offensichtlich satt. Solange wir entsprechenden Abstand halten und uns ruhig verhalten, müssen wir nichts befürchten, sagen unsere Ranger. Nun denn... aufregend ist es allemal.

Am Abend essen wir in der Boma, erzählen von den Erlebnissen des Tages und Fanuel scheint etwas mehr aufzutauen, als er merkt, dass wir genauso Fußballfans sind wie er. Die großen Kissen um das Lagerfeuer in einer Art Hof zwischen Bar und Essbereich laden zum weiteren Verweilen und Geschichtenerzählen ein, bevor wir schlafen gehen. Unser Zelt lassen wir so gut es geht offen, nur die Moskitonetze sind geschlossen, und wir lassen uns von den Geräuschen der Wildnis in den Schlaf begleiten.

Michel und Eveline - unsere Begleiter auf dieser Reise - wollen gern mal ausschlafen und setzen mit der Frühpirsch aus. Wir überlegen nur kurz, ob wir dasselbe tun sollen. Doch der Ruf des Busches ist stärker. Und so sitzen wir kurze Zeit später wieder auf dem Wagen. Wir sehen 4 Tüpfelhyänen aus nächster Nähe – unglaublich wie muskulös diese Tiere sind. Die eine trägt sogar noch etwas Antilopenrestartiges im Maul... Weiter geht die Fahrt und wir entdecken mehrere Nahörner im Buschwerk. Auch diesmal lassen wir unser Fahrzeug stehen und gehen zu Fuß auf die Pirsch, bis wir noch etwa 25 m von den Tieren entfernt sind. Zurück im Camp erzählen uns Michel und Eveline von dem Elefanten, der direkt vor unserem Zelt stand und den Baum dort etwas zerpflückt hat. So hatten sie also auch ihre Wildbeobachtung direkt vor der „Haustür“.

Nach einem herzhaften Frühstück wollen wir am Pool etwas entspannen. Wir lassen uns noch etwas Zeit, während Eveline schon auf der Sonnenliege döst. Ein Knacken lässt sie hochschauen und da steht etwa 2 m von ihr wieder - der Elefant. Er erschreckt sich mindestens genauso wie Eveline, dass sich da plötzlich was bewegt, wo er doch nur auf das kühle Nass spekuliert hat. Als wir auch noch hinzukommen, wird es ihm definitiv zu viel und er verschwindet. Später treffen wir ihn an einem Baum vor Michel und Evelines Zelt wieder. Wir machen es uns an unserem Zelt gemütlich und beobachten ihn. Stundenlang könnte man zuschauen. Michel sagt schließlich: „So, ich will jetzt aber mal in mein Zelt,“ und geht los. Der Elefant dreht sich zu ihm um und legt die Ohren ab... Michel weiß, was das heißt, dreht wieder um und sagt: „Ist ja gut. Dann halt nicht.“

Auf der Nachmittagspirsch haben wir wieder ein besonderes Erlebnis: Wildhunde! Plötzlich kreuzen sie unseren Weg und sind auch schon wieder verschwunden. Fanuel weiß: sie kommen von der Jagd und werden nun die Jungen füttern. Er weiß wo der Bau ist und gibt Gas. „Wir müssen uns beeilen“ sagt er und wir wollen es nicht verpassen. Unterwegs sehen wir Giraffen - Ok, ein Foto gönnen wir dem australischen Pärchen, aber mit unserer einstimmigen Aufforderung „Go, go, go...“ ist der Fuß auch schon wieder auf dem Gaspedal. Und dann sehen wir sie. Auf einem kleinen Erdhügel ist das Rudel und lustig herumhüpfend 11 süße Welpen.

Timbavati Wildschutzgebiet

Nach einer letzten Wildbeobachtungsfahrt im Honeyguide - wir sehen nochmals die beiden Löwen, müde und satt - fahren wir zu unserer letzten Station, der Motswari Lodge im Timbavati Wildreservat. Godfrey, der Head Ranger und Assistant Manager zeigt uns die Lodge, die direkt an einem trockenen Flussbett liegt, mit Wasserloch vor dem Pool, an das Impalas und Warzenschweine zum Trinken kommen. Eine sehr schöne Lodge, wie wir finden, mit sehr viel Atmosphäre. Hier haben wir allerdings die meisten „Mitgäste“ der ganzen Reise. Worauf wir den ganzen Urlaub gewartet haben, sollen wir hier schließlich erleben. Auf der Nachmittagspirsch bekommen wir unseren eigenen Jeep und dazu Godfrey, der darauf brennt, uns das zu zeigen, was wir bisher noch nicht gesehen haben: eine Leopardin. Sie sitzt auf dem langen Ast eines Baumes und ist wunderschön. Sie scheint etwas beunruhigt und irgendetwas zu beobachten.

Am Baumstamm hat sie ihre Beute, eine kleine Antilope, an den Hinterläufen aufgehängt. Wir stehen direkt unter dem Baum, die Leopardin nur ca. 2 m über uns. Sie hat einen Löwen gewittert, der in der Nähe ist. Wir fahren ein paar Meter weiter, um als stiller Beobachter zu erleben, was als nächstes kommt. Die Leopardin wird unruhig und verschwindet schließlich von ihrem Ast, gibt die Beute auf und erklimmt einen anderen Baum in sicherer Entfernung. Und tatsächlich kommt plötzlich ein Löwe aus dem Gebüsch und setzt sich unter den Baum, in dem noch die Beute hängt. Noch meint er wahrscheinlich die Beute würde von allein zu ihm kommen - Löwen sind ja von Natur aus faul und bewegen sich eher weniger und Baumklettern ist ohnehin nicht ihre Spezialität. Aber die Beute kommt nicht. Und plötzlich springt er am Baumstamm hoch, krallt sich mit allen Vieren fest - Wahnsinn was für eine Kraft solch ein Tier besitzt - zieht sich hoch und holt sich die Beute oben aus dem Baum. Die Leopardin schaut vom Nachbarbaum aus traurig zu und verschwindet schließlich.

Am Morgen sehen wir noch eine große Büffelherde von etwa 300 Stück und dann heißt es Abschied nehmen von den Wildtieren Südafrikas. Als wir losfahren wollen, haben wir einen platten Reifen. Kein Problem für die Angestellten der Lodge. Innerhalb von 30 Minuten ist das Ersatzrad drauf und der kaputte Reifen repariert.

Rovos Rail in Pretoria

Vorbei am Blyde River Canyon, wo wir noch einmal eine schöne Landschaft genießen und sehr schöne Örtchen passieren, erreichen wir nach etwa 5 Stunden Fahrt Pretoria. Am Capital Park möchten wir uns den Rovos Rail anschauen, die historische Eisenbahn, die zu einem Zug der Luxusklasse umgebaut wurde. Der Zug hat Verspätung und wir müssen warten... doch dann ein Pfeifen und Zischen und schließlich fährt er ein, von einer Dampflok gezogen. Nachdem alle Gäste ausgestiegen sind, zeigt uns Peter Winterbottom den gesamten Zug. Wir dürfen sogar ein Stück mitfahren und können uns sehr gut die Atmosphäre vorstellen, die dieser Zug auf einer richtigen Fahrt versprüht. Man fühlt sich tatsächlich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt.

Garden Court Hotel O.R. Tambo

Nach einer Fahrt durch Pretoria und Johannesburg, mittlerweile ist es dunkel, kommen wir ziemlich hungrig am Flughafenhotel an. Ein herzhaftes und gutes Abendessen im hoteleigenen Steakhouse gibt uns die entsprechende Bettschwere. Am nächsten Morgen heißt es dann Abschied nehmen, bis zum nächsten Mal, wenn wir uns wieder in den Bann Afrikas ziehen und verzaubern lassen....

Südafrika 2008, Reisebericht

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