Die südliche Kalahari - eins sein mit der Natur!

Die südliche Kalahari - eins sein mit der Natur!

Die südliche Kalahari… dabei denke ich vor allem an: Weite. Stille. Eins sein mit der Natur. Genau so habe ich mir Tswalu Kalahari vorgestellt und werde nicht enttäuscht!

Kaum auf dem privaten Airstrip mitten in der Halbwüste gelandet und die ersten Minuten per Allrad in Richtung Lodge unterwegs, erkenne ich bereits, dass hier stressgeplagte Europäer und Naturliebhaber ihr Paradies finden: völlige Abgeschiedenheit inmitten einer atemberaubend schönen und sehr wildreichen Landschaft. Weite Gras- und Buschebenen, von Akazienbäumen durchzogen, Dünen aus rötlichem Kalahari-Sand sowie sanfte Hügel und Bergketten prägen die Landschaft. Soweit das Auge reicht, gehört das Land, in dem einst die Buschmänner der Kalahari lebten, zu Tswalu, das mit 100.000 Hektar eines der größten privaten Wildreservate Südafrikas ist. Tswalu bedeutet in der Tswana Sprache "Neuanfang" und bringt die Mission des Reservates klar zum Ausdruck: den Schutz und den Erhalt der Kalahari!
Bereits auf dem Weg zur Lodge erleben wir unser erstes Highlight: ein Aardvark (Erdferkel) hat bereits am frühen Nachmittag seinen Bau verlassen und sucht nach Futter. Der Wind steht günstig und es hat uns noch nicht entdeckt. Wir verlassen das Fahrzeug und nähern uns dem Tier zu Fuß – ganz langsam und leise, immer wieder in Starre verfallend und abwartend, kommen wir schließlich sehr dicht heran und sehen unser erstes Exemplar dieser Art aus nächster Nähe. Aardvarks sind sehr seltene und scheue Tiere und Tswalu Kalahari ist sicherlich eine der wenigen Regionen der Welt, wo die Chancen sehr gut stehen, diese zu beobachten.

Die Lodge „The Motse“ liegt am Fuß des Korannaberges. Die unauffällige Bauweise passt sich hervorragend der Umgebung an. Zum öffentlichen Bereich gehören neben einer gemütlichen Lounge mit Kamin und Speisebereich, ein kleines Souvenirgeschäft, eine Bibliothek, eine Boma, in der bei gutem Wetter das Abendessen im Freien serviert wird, ein großzügiges Sonnendeck mit Swimmingpool, Sala und Blick auf ein Wasserloch sowie das „Moya Spa“, in dem man sich zwischen den Aktivitäten mit verschiedenen Wellness-Angeboten verwöhnen lassen kann.  Acht großzügige und luxuriöse mit Reet gedeckte und aus Naturstein gebaute Chalets sind im modernen afrikanischen Stil gestaltet. Ein großzügiges Badezimmer mit Innen- und Außendusche, ein Kamin für ein knisterndes Feuer am Abend sowie eine private Veranda mit gemütlicher Lounge gehören ebenso zur Ausstattung wie alle weiteren Annehmlichkeiten, die man von einer Unterkunft dieses Standards erwartet. Vor unserer Veranda tummeln sich bereits einige lustige Erdhörnchen um ihren Bau, die sich mit etwas Geduld auch aus nächster Nähe beobachten lassen. Ich lasse den Blick über die Grasebenen schweifen und entdecke verschiedene weitere Tierarten: Warzenschweine, Nyalas, Gnus, Impalas… Ich fühle mich wohl, irgendwie angekommen, und könnte ewig hier verweilen.

Am Nachmittag begeben wir uns auf eine erste „richtige“ Wildbeobachtungsfahrt – wir hatten ja auf dem Weg vom Flugplatz zur Lodge bereits sehr viele Tiere gesehen. Wir scheinen das Glück für heute gepachtet zu haben, denn wir sehen vier weitere Aardvarks, zwei Löffelhunde und einen Erdwolf. Außerdem die wunderschönen Oryxe, die seltenen Tsessebe, Kudus und Kuhantilopen sowie Elenantilopen - die größte Antilopenart der Welt. Auf einer Düne mit kilometerweitem Blick genießen wir schließlich unseren Sundowner und schauen der Sonne zu, wie Sie am scheinbar endlosen Horizont der südlichen Kalahari verschwindet. Das Abendessen nehmen wir am prasselnden Kaminfeuer der Lodge ein und sinken im Anschluss glücklich und zufrieden mit den Erlebnissen des Tages in einen erholsamen Schlaf.

Unser Guide Richard weckt uns bereits früh am nächsten Morgen und wir sind sofort hellwach, neugierig darauf, was uns heute erwartet. Auf unseren Wildbeobachtungen sehen wir viele weitere Tierarten. Giraffen und Zebras, darunter auch die etwas kleineren Bergzebras, ebenso wie Breitmaulnashörner, Büffel, Rappen- und Pferdeantilopen, Strauße, einen Sekretär und natürlich – wie könnte es anders sein – ein weiteres Erdferkel. Dabei erfahren wir von unserem Guide Richard sehr viel über die Wildarten und ihren Lebensraum.

Am Nachmittag wartet bereits ein weiteres, unvergessliches Erlebnis auf mich: ein Ausritt durch die südliche Kalahari. Auf unserem Weg zu den Pferdeställen besuchen wir das Tswalu Dorf. Hier leben die Angestellten der Lodge in einer richtigen kleinen Ortschaft mit Krankenhaus, Schule, Tankstelle und Lebensmittelladen. Tswalu engagiert sich sehr für seine Mitarbeiter und hat ein sehr gutes soziales Umfeld für sie geschaffen. Wir schauen uns das Krankenhaus an, das gerade auf medizinische Geräte aus Deutschland wartet und sich darauf freut, künftig noch mehr kleinere Operationen selbst durchführen zu können. Die Schule hat gerade Ferien, doch wir können einen Blick durch die Fenster werfen und entdecken einige lachende Kinder, die hinter der Schule spielen und tollkühne Rückwärtssalti vorführen. In den Stallungen angekommen, machen mein Guide Jason und ich uns schließlich auf dem Rücken der Pferde auf den Weg in die Wildnis. Hierbei wird mir die Abgeschiedenheit und Stille noch stärker bewusst und ich genieße jeden Augenblick. Pünktlich zum Sundowner treffen wir wieder auf die anderen am verabredeten Punkt, irgendwo mitten in der Wildnis.

Den letzten Tag verbringen wir auf unseren Wunsch hin komplett in der Natur, ohne zum Mittagessen zur Lodge zurückzukehren. Wir sehen zwei weitere Aardvarks, noch einen Erdwolf und viele andere Tierarten. Sogar eine wilde Erdmännchenfamilie können wir aus einiger Distanz beobachten. Natürlich hat sich Richard von der Küche einen gutgefüllten Picknickkorb mit vielen kleinen Leckereien mitgeben lassen, worüber wir uns sehr freuen. Draußen in der Wildnis schmeckt es gleich doppelt so gut! Am Nachmittag fahren wir in eine Region, die sehr gute Möglichkeiten bietet, die seltenen Spitzmaulnashörner zu beobachten. Hier gibt es dichtes Buschwerk, das diese Tiere bevorzugen. Zu Fuß begeben wir uns mit Richard und unserem Spurensucher David in den Busch, um eines der Tiere zu entdecken. Wir finden Spuren, denen wir aufgeregt folgen, doch leider verlaufen sie sich immer wieder und wir stoßen „nur“ auf die weiter verbreiteten Breitmaulnashörner.

Leider vergeht die Zeit in Tswalu Kalahari viel zu schnell. Ich könnte noch viel länger hier bleiben und die unglaublich schöne und gleichzeitig raue Region weiter in mich aufsaugen. Das größte Highlight in dieser Region haben wir uns bis zum Abreisetag aufgehoben: einen Besuch der lustigen Erdmännchen, für die Tswalu bekannt ist. Wir besuchen eine an Menschen gewöhnte Gruppe, was den Vorteil hat, dass wir die possierlichen Tierchen aus allernächster Nähe beobachten können. Auf einer Decke machen wir es uns neben dem Bau gemütlich und schauen ihnen einfach nur zu, wie sie sich aufrecht stehend die Bäuche von der Sonne wärmen lassen, wie die Kleinen miteinander toben, wie sie scharren, sich putzen und immer wieder die Umgebung abscannen, ob von irgendwo Gefahr droht. Wir verbringen sehr viel Zeit mit den Erdmännchen, bis sie sich schließlich auf in den Busch machen, wo sie die meiste Zeit des Tages verbringen.

Von hier fahren wir in das separate Reservat, in dem sich der Airstrip befindet, denn hier befinden sich auch die Kalahari Löwen, die wir am Vortag bereits gesucht, aber nicht gefunden hatten. Wir setzen unsere Suche dort fort, wo wir aufgehört hatten, und es dauert nicht lange, bis wir fündig werden. Drei Löwinnen haben ein Oryx gerissen und tun sich gerade mit ihrem Nachwuchs gütlich daran. Wir verbringen einige Zeit bei den Löwen, bevor wir die Fahrt zum Flugplatz fortsetzen, wo unsere Reise in die südliche Kalahari schließlich endet. Wir heben ab in Richtung Kapstadt und lassen den Blick noch einmal über die phantastische Landschaft schweifen, die so fesselnd und unbeschreiblich schön ist…

Ihre Stefanie Geiser